73_asylg
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen der Seite angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorherige Überarbeitung | ||
| 73_asylg [2025/10/12 19:24] – angelegt marcel | 73_asylg [2026/01/10 18:33] (aktuell) – marcel | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| ====== § 73 AsylG: Widerrufs- und Rücknahmegründe ====== | ====== § 73 AsylG: Widerrufs- und Rücknahmegründe ====== | ||
| + | |||
| + | ===== - EuGH, Urteil vom 06.07.2023, C-663/21 ===== | ||
| + | |||
| + | **Widerruf wegen Straftaten** | ||
| + | |||
| + | Rn. 32: | ||
| + | |||
| + | > Was die zweite der in Rn. 28 des vorliegenden Urteils genannten Voraussetzungen betrifft, ergibt sich aus den Rn. 46 bis 65 des Urteils vom heutigen Tag, Commissaire général aux réfugiés et aux apatrides (Flüchtling, | ||
| + | |||
| + | Rn. 53: | ||
| + | |||
| + | > [...] Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt: | ||
| + | > | ||
| + | >**1. Art. 14 Abs. 4 Buchst. b der Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes** | ||
| + | > | ||
| + | >**ist dahin auszulegen, dass** | ||
| + | > | ||
| + | >**die Anwendung dieser Bestimmung von der Feststellung der zuständigen Behörde abhängt, dass die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft angesichts der Gefahr, die der betreffende Drittstaatsangehörige für ein Grundinteresse der Allgemeinheit des Mitgliedstaats darstellt, in dem er sich aufhält, verhältnismäßig ist. Zu diesem Zweck muss die zuständige Behörde diese Gefahr gegen die Rechte abwägen, die nach der Richtlinie den Personen zu gewährleisten sind, die die materiellen Voraussetzungen von Art. 2 Buchst. d der Richtlinie erfüllen, ohne dass sie jedoch darüber hinaus prüfen müsste, ob das öffentliche Interesse an der Rückkehr dieses Drittstaatsangehörigen in sein Herkunftsland in Anbetracht des Ausmaßes und der Art der Maßnahmen, denen er bei einer Rückkehr in sein Herkunftsland ausgesetzt wäre, sein Interesse an der Aufrechterhaltung des internationalen Schutzes überwiegt.** | ||
| + | > | ||
| + | >**2. Art. 5 der Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger** | ||
| + | > | ||
| + | >**ist dahin auszulegen, dass** | ||
| + | > | ||
| + | >**er dem Erlass einer Rückkehrentscheidung gegen einen Drittstaatsangehörigen entgegensteht, | ||
| + | |||
| + | ===== - Abs. 1: Widerrufsgründe ===== | ||
| + | |||
| + | ==== - BVerwG, Urteil vom 27.07.2017, 1 C 28.16 ==== | ||
| + | |||
| + | > | ||
| + | |||
| + | Leitsätze: | ||
| + | |||
| + | >** 1. Die Annahme oder Erneuerung eines Nationalpasses des Ausländers führt nicht in jedem Fall automatisch zu einem Erlöschen seiner Rechtsstellung als Asylberechtigter bzw. Flüchtling gemäß § 72 Abs. 1 Nr. 1 AsylVfG/ | ||
| + | >**2. Das seit 1. Januar 2016 geltende Ausweisungsrecht nach §§ 53 ff. AufenthG und die damit verbundene Ausweisungsentscheidung sind geprägt von einem umfassenden ergebnisoffenen Abwägungsprozess, | ||
| + | |||
| + | Rn. 35: | ||
| + | |||
| + | >Gemäß § 72 Abs. 1 Nr. 1 AsylVfG/ | ||
| + | |||
| + | |||
| + | ===== - Abs. 4: Rücknahme ===== | ||
| + | |||
| + | ==== - BVerwG, Urteil vom 13.04.2010, 1 C 10.09 ==== | ||
| + | |||
| + | Rücknahme mit ex tunc-Wirkung (zu § 73 Abs. 2 AsylVfG a.F.) | ||
| + | |||
| + | Leitsätze: | ||
| + | |||
| + | >**1. Bei der gerichtlichen Überprüfung der Rechtmäßigkeit eines Bescheids, durch den eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zurückgenommen oder widerrufen wird, ist die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung oder Entscheidung des Tatsachengerichts zugrunde zu legen.** | ||
| + | >**2. Auch wenn der Ausländer die Voraussetzungen für die Erteilung einer Niederlassungserlaubnis nach § 26 Abs. 4 AufenthG erfüllt, steht dies der Rücknahme oder dem Widerruf seines Aufenthaltstitels nach Wegfall der Asyl- und Flüchtlingsanerkennung nicht von vornherein entgegen. Vielmehr ist dieser Umstand bei der Ausübung des Rücknahme- oder Widerrufsermessens zu berücksichtigen.** | ||
| + | |||
| + | Rn. 17: | ||
| + | |||
| + | >Die dem Kläger mit Bescheid vom 23. Januar 1996 erteilte Aufenthaltserlaubnis nach § 68 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG 1992 war wegen ihres mit der materiellen Rechtslage nicht übereinstimmenden Inhalts von Anfang an rechtswidrig. Die Asylanerkennung des Klägers ist bestandskräftig nach § 73 Abs. 2 Satz 1 AsylVfG zurückgenommen worden. Die hiergegen gerichtete Klage hat das Verwaltungsgericht rechtskräftig abgewiesen. Die Rücknahme der Asylanerkennung wurde auch mit Wirkung für die Vergangenheit ausgesprochen. Der bestandskräftige Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (damals: Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge) - Bundesamt - vom 18. Februar 2000 trifft hierzu zwar keine ausdrückliche Aussage. Es ergibt sich aber aus dem Inhalt des Bescheids, der die Rücknahme auf unrichtige Angaben des Klägers wie auf das Verschweigen wesentlicher Tatsachen stützt, die maßgeblich für die Anerkennung waren, dass eine Aufhebung mit ex tunc Wirkung beabsichtigt war. Auch die allgemeine Rücknahmevorschrift des § 48 Abs. 2 Satz 4 VwVfG sieht durch den Verweis auf Satz 3 und dessen Nr. 2 für Fälle wie den vorliegenden in der Regel die Rücknahme mit Wirkung für die Vergangenheit vor (vgl. hierzu auch Urteil vom 9. September 2003 - BVerwG 1 C 6.03 - BVerwGE 119, 17 < | ||
| + | |||
| + | ==== - VG Düsseldorf, | ||
| + | |||
| + | Leitsätze: | ||
| + | |||
| + | >**1. Für die Rücknahme der Flüchtlingseigenschaft nach § 73 Abs. 4 AsylG ist allein maßgeblich, | ||
| + | unrichtigen Angaben oder das Verschweigen der wesentlichen Tatsachen kausal für die Zuerkennung der | ||
| + | Flüchtlingseigenschaft gewesen sind.** | ||
| + | >**2. Für Zivilpersonen besteht in Syrien jedenfalls in den Gebieten Damaskus und Damaskus-Land keine | ||
| + | ernsthafte, individuelle Bedrohung ihres Lebens oder ihrer körperlichen Unversehrtheit infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines bewaffneten innerstaatlichen Konflikts mehr (§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AsylG).** | ||
| ~~socialite~~ | ~~socialite~~ | ||
73_asylg.1760289875.txt.gz · Zuletzt geändert: von marcel
